Tywon
Ronell Lawson, den meisten bekannt als Ty Lawson, ist Guard der Denver Nuggets. Man
könnte ihn als einen „normalen“ Menschen bezeichnen. Warum? Er ist 1,80 Meter
groß. Für den Durchschnittsmensch wahrlich nicht klein, ist das in der NBA aber
ganz anders, denn Lawson gilt als klein. So nehmen ihn auch seine Mitspieler, Gegner und Verantwortlichen wahr. Er gilt als Zwerg.
Diese
Tatsache gilt für viele Scouts, die nach dem ungeschrieben Gesetz „You can’t
teach height“ gehen, als einer der wichtigsten Punkte einen College-Spieler
nicht in der Draft zu picken. Sie möchten lieber größere Spieler zu ihrem Team lotsen,
auch wenn sie schlechtere Statistiken als deutlich kleinere Akteure, wie
Lawson, aufweisen. Als bestes Beispiel hierfür gilt der Draft 2009 in dem
Lawson an 18ter Stelle gepickt wurde. An Nummer 2 wurde der Riese Thabeet
gepickt, der zwar groß ist…. aber mehr auch nicht[1].
Lawson’s
Weg in die NBA begann im Jahr 2006 mit der Entscheidung die University of North
Caronlina zu besuchen und die Tar Heels zu unterstützen. Mit respektablen
Statistiken von 10.2 Punkten und 5.6 Assists pro Spiel zeigte er gleich, was
man wirklich braucht um Basketball zu spielen. Heart! Hierfür gibt es einen
Spruch, der in die NBA Einzug gefunden hat, seitdem sich der legendäre Muggsy
Bogues in dieser Liga einen Namen machte (und das gerade einmal mit 1,60 Meter!).
„You can’t teach heart!“. Auf Deutsch: Hingabe braucht es um ein guter, wenn
nicht genialer, Basketballspieler zu werden. Diese Hingabe zeigt Lawson, was
sich maßgeblich auf seine Statistiken auswirkt. Im zweiten College-Jahr spielt
Lawson zwar aufgrund von Verletzungen weniger, verbessert aber gleichzeitig
seine Punkteausbeute auf 12.7 PPG und erhöht nochmals seine ohnehin schon gute
Wurfquote auf 51% vom Feld! Zu beachten ist, dass er dieses Kunststück als Point Guard, der es sicherlich nicht
leicht hat, mit seiner Größe hochprozentig am Brett zu punkten durchführt. Noch besser
wird er in seiner letzten College-Saison, welche er der NBA-Draft 2008 vorzieht
um besser für seine kommende NBA-Karriere vorbereitet zu sein. Er legt 16.6
Punkte, 6.6 Assists, 2.1 Steals und Wurfquoten von 53% vom Feld und sogar 47%
von Downtown auf! Diverse Auszeichnungen folgen, unter anderem „Bester Point
Guard eines College’s des gesamten Landes" und "Second All-American". Die
vorzeitige Krönungen der Saison 08/09: der NCAA Championship.
| NCAA Champions 2009 |
Nach
einer solchen Saison kann nur die NBA-Draft folgen. Gepickt von den
Timberwolves, wird Lawson direkt nach Denver zu den Nuggets in die Goldmine
getradet. Hier wird ein Point Guard-Ersatz für „Mr. Big Shot“, Chauncey Billups,
gesucht. In Denver scheint man wohl Hingabe zu schätzen, wo Lawson gleich 20 Minuten
pro Spiel Einsatzzeit bekommt und sich prompt mit sehr guten Wurfquoten von 51%
vom Feld, 41% hinter der Dreierlinie und 8.3 PPG zu beweisen weiß. Zudem zeigt
Lawson, dass auch vermeintliche „Zwerge“ in die Lüfte steigen können. In einem
Spiel gegen die Los Angeles Lakers zieht Lawson mit seiner ungemeinen
Geschwindigkeit zum Korb und dunkt mal eben über 2,13 Meter Hühne D.J. Mbenga.
Reaktion vom Kommentator: „Are you kidding me? This should be against the Law,
son!“. Größe hin oder her, die Hingabe machts!
Die
zweite Saison (10/11) beginnt für Lawson wieder als Backup für Billups, in der
er aber deutlich mehr Minuten sieht. Folge: seine Statistiken verbessern sich. Die
steile und schnelle Entwicklung Lawson’s nach Oben gibt Denver sogar die
Möglichkeit Billups im März 2011 im Zuge des Melo-Dramas mit Anthony nach New
York zu traden. Lawson ist nun plötzlich der startende Point Guard. Der
langjährige Star in Carmelo Anthony ist weg. Wer aber denkt, dass Denver auf
dem Boden ist, liegt falsch. Die Nuggets spielen ohne Anthony und Konsorten wie
befreit auf. Unter Anderem ist Lawson der entscheidende Faktor. Am 9 April 2011
legt Lawson eine historische Performance auf. Lawson verwandelt seine ersten 10
3-Punkte-Versuche, beendet das Game mit 10 von 11 Treffern hinter der
Dreierlinie, hat 37 Punkte, 7 Rebounds und 6 Assists aufgelegt. WOW. Der 1,80
Meter-Mann zeigt Hingabe to he fullest!
Sogar die Playoffs werden noch
erreicht. Lawson verdoppelt seine Punkteausbeute in den Playoffs im Gegensatz
zum letzten Jahr auf 15.6 PPG, die zweite Runde wird trotzdem nicht erreicht.
Denver ist halt noch nicht so weit, die Goldgräber sind aber mit Floor General
Lawson auf dem besten Weg. Die bisher letzte Saison des kleinen Guards aus
Maryland wurde noch besser. Lawson war nun von Beginn an Starter und legte mit
16.4 PPG, 3.7 RPG, 6.6 APG und 1.3 Steals pro Spiel Karrierebestwerte auf! Die
Playoffs folgen, in denen Lawson 19 Punkte pro Spiel gegen die Lakers auflegt.
Es geht bis Spiel 7, wo eine Niederlage in Los Angeles folgt. Über die erste Runde in den Playoffs scheint es im tief besetzten Westen noch nicht hinauszugehen.
Denver
ist noch nicht dort angekommen wo es hinmöchte, Lawson ermöglichte den Nuggets jedoch einen nahtlosen Neuaufbau ohne Carmelo Anthony und ohne die Playoffs zu
verpassen. Der 2,21 Meter große Thabeet hat mittlerweile vier NBA-Teams
durchlaufen und keinem etwas gebracht. Lawson ist immer noch bei seiner ersten
NBA-Station und wird hier wohl noch lange nach goldenen Nuggets suchen.
[1] Seht
euch dazu den ersten Artikel „Hasheem Thabeet – Der Alternde“ an
Text: Hanno Landwehr
Quellen:
