Montag, 27. August 2012

Ty Lawson - "Hingabe" oder "You Can't Teach Heart"




Tywon Ronell Lawson, den meisten bekannt als Ty Lawson, ist Guard der Denver Nuggets. Man könnte ihn als einen „normalen“ Menschen bezeichnen. Warum? Er ist 1,80 Meter groß. Für den Durchschnittsmensch wahrlich nicht klein, ist das in der NBA aber ganz anders, denn Lawson gilt als klein. So nehmen ihn auch seine Mitspieler, Gegner und Verantwortlichen wahr. Er gilt als Zwerg.
Diese Tatsache gilt für viele Scouts, die nach dem ungeschrieben Gesetz „You can’t teach height“ gehen, als einer der wichtigsten Punkte einen College-Spieler nicht in der Draft zu picken. Sie möchten lieber größere Spieler zu ihrem Team lotsen, auch wenn sie schlechtere Statistiken als deutlich kleinere Akteure, wie Lawson, aufweisen. Als bestes Beispiel hierfür gilt der Draft 2009 in dem Lawson an 18ter Stelle gepickt wurde. An Nummer 2 wurde der Riese Thabeet gepickt, der zwar groß ist…. aber mehr auch nicht[1].
Lawson’s Weg in die NBA begann im Jahr 2006 mit der Entscheidung die University of North Caronlina zu besuchen und die Tar Heels zu unterstützen. Mit respektablen Statistiken von 10.2 Punkten und 5.6 Assists pro Spiel zeigte er gleich, was man wirklich braucht um Basketball zu spielen. Heart! Hierfür gibt es einen Spruch, der in die NBA Einzug gefunden hat, seitdem sich der legendäre Muggsy Bogues in dieser Liga einen Namen machte (und das gerade einmal mit 1,60 Meter!). „You can’t teach heart!“. Auf Deutsch: Hingabe braucht es um ein guter, wenn nicht genialer, Basketballspieler zu werden. Diese Hingabe zeigt Lawson, was sich maßgeblich auf seine Statistiken auswirkt. Im zweiten College-Jahr spielt Lawson zwar aufgrund von Verletzungen weniger, verbessert aber gleichzeitig seine Punkteausbeute auf 12.7 PPG und erhöht nochmals seine ohnehin schon gute Wurfquote auf 51% vom Feld! Zu beachten ist, dass er dieses Kunststück als Point Guard, der es sicherlich nicht leicht hat, mit seiner Größe hochprozentig am Brett zu punkten durchführt. Noch besser wird er in seiner letzten College-Saison, welche er der NBA-Draft 2008 vorzieht um besser für seine kommende NBA-Karriere vorbereitet zu sein. Er legt 16.6 Punkte, 6.6 Assists, 2.1 Steals und Wurfquoten von 53% vom Feld und sogar 47% von Downtown auf! Diverse Auszeichnungen folgen, unter anderem „Bester Point Guard eines College’s des gesamten Landes" und "Second All-American". Die vorzeitige Krönungen der Saison 08/09: der NCAA Championship.
NCAA Champions 2009

Nach einer solchen Saison kann nur die NBA-Draft folgen. Gepickt von den Timberwolves, wird Lawson direkt nach Denver zu den Nuggets in die Goldmine getradet. Hier wird ein Point Guard-Ersatz für „Mr. Big Shot“, Chauncey Billups, gesucht. In Denver scheint man wohl Hingabe zu schätzen, wo Lawson gleich 20 Minuten pro Spiel Einsatzzeit bekommt und sich prompt mit sehr guten Wurfquoten von 51% vom Feld, 41% hinter der Dreierlinie und 8.3 PPG zu beweisen weiß. Zudem zeigt Lawson, dass auch vermeintliche „Zwerge“ in die Lüfte steigen können. In einem Spiel gegen die Los Angeles Lakers zieht Lawson mit seiner ungemeinen Geschwindigkeit zum Korb und dunkt mal eben über 2,13 Meter Hühne D.J. Mbenga. Reaktion vom Kommentator: „Are you kidding me? This should be against the Law, son!“. Größe hin oder her, die Hingabe machts!

Die zweite Saison (10/11) beginnt für Lawson wieder als Backup für Billups, in der er aber deutlich mehr Minuten sieht. Folge: seine Statistiken verbessern sich. Die steile und schnelle Entwicklung Lawson’s nach Oben gibt Denver sogar die Möglichkeit Billups im März 2011 im Zuge des Melo-Dramas mit Anthony nach New York zu traden. Lawson ist nun plötzlich der startende Point Guard. Der langjährige Star in Carmelo Anthony ist weg. Wer aber denkt, dass Denver auf dem Boden ist, liegt falsch. Die Nuggets spielen ohne Anthony und Konsorten wie befreit auf. Unter Anderem ist Lawson der entscheidende Faktor. Am 9 April 2011 legt Lawson eine historische Performance auf. Lawson verwandelt seine ersten 10 3-Punkte-Versuche, beendet das Game mit 10 von 11 Treffern hinter der Dreierlinie, hat 37 Punkte, 7 Rebounds und 6 Assists aufgelegt. WOW. Der 1,80 Meter-Mann zeigt Hingabe to he fullest!
Sogar die Playoffs werden noch erreicht. Lawson verdoppelt seine Punkteausbeute in den Playoffs im Gegensatz zum letzten Jahr auf 15.6 PPG, die zweite Runde wird trotzdem nicht erreicht. Denver ist halt noch nicht so weit, die Goldgräber sind aber mit Floor General Lawson auf dem besten Weg. Die bisher letzte Saison des kleinen Guards aus Maryland wurde noch besser. Lawson war nun von Beginn an Starter und legte mit 16.4 PPG, 3.7 RPG, 6.6 APG und 1.3 Steals pro Spiel Karrierebestwerte auf! Die Playoffs folgen, in denen Lawson 19 Punkte pro Spiel gegen die Lakers auflegt. Es geht bis Spiel 7, wo eine Niederlage in Los Angeles folgt. Über die erste Runde in den Playoffs scheint es im tief besetzten Westen noch nicht hinauszugehen.
Denver ist noch nicht dort angekommen wo es hinmöchte, Lawson ermöglichte den Nuggets jedoch einen nahtlosen Neuaufbau ohne Carmelo Anthony und ohne die Playoffs zu verpassen. Der 2,21 Meter große Thabeet hat mittlerweile vier NBA-Teams durchlaufen und keinem etwas gebracht. Lawson ist immer noch bei seiner ersten NBA-Station und wird hier wohl noch lange nach goldenen Nuggets suchen.

Sonntag, 26. August 2012

Hasheem Thabeet - Der Alternde


Hasheem Thabeet – Der Alternde

Das Interesse an jungen Spielern, die neu in die NBA kommen ist groß, vor allem wenn ihr Talent vielversprechend ist und dieses letztendlich auch umgesetzt wird. Bei vielen ist jedoch das Gegenteil der Fall. Das Interesse an einem jungen Spieler schlägt meist schnell in völliges Desinteresse um, wenn dieser die Erwartungen nicht erfüllt und sein Potenzial nicht ausnutzt.

Bestes Beispiel hierfür ist Hasheem Thabeet, der 2,21 Meter Koloss aus Tansania. Ein weiterer Bigman aus Afrika und mit 21 jungen Jahren der zweite Pick der Memphis Grizzlies in der Draft 2009. Die Anzeichen, dass er einer der kommenden Top-Center der NBA werden würde standen gut. Er ist gerade einmal 119 kg, wenig Gewicht für seine 2.21 Meter. Keinesfalls ein Nachteil, wie man an der ewigen Blockliste der NCAA sieht. Er liegt vor Shaq mit 417 Blocks (4.2 BPG). Bei den Blocks einsame Spitze, lies Thabeet es aber in anderen Statistiken ruhiger angehen. In der Reboundstatistik sammelte er im Schnitt nur 8.5 Bretter pro Partie, keinesfalls überragend als 2,21 Meter Mann. Des Weiteren 10.3 PPG, 0.4 APG, aber dafür eine Feldwurfquote von 61.1%.

Trotz teilweise mittelmäßiger Statistiken war Thabeet interessant. Die Größe ragt nun mal heraus wenn es um die NBA geht. Dazu seine 21 Jahre, welche viel Potenzial hergeben. Kurz gesagt ein riesen Talent, ein Rohdiamant der durch die Zähne der Grizzlybären geschliffen werden sollte.
In seiner Premierensaison in 13 Minuten pro Spiel (68 Spiele) holte der Schlacks aus Tansania aber nur 3.6 RPG, 1.3 BPG und 3.1 PPG. Katastrophale Statistiken für einen 2nd Overall Pick. Als Folge sank das Interesse und ein Abfall der Euphorie in Tennessee wurde mehr als deutlich, als Memphis seinen Zweitrundenpick als höchsten Pick ever in die D-League schickte. Zwar gerade einmal für knapp 12 Tage, aber die Leistung danach steigerte sich kaum. Nach weiteren 45 erfolgslosen Games in Tennessee (1.2 PPG, 1.7 RPG, 0.3 BPG) in seiner Sophomore Saison war das übrig gebliebene Interesse an Thabeet vollkommen verbraucht. Er wurde für den alternden und langsam graue NBA-Haare kriegenden Shane Battier und einen Erstrundenpick nach Houston getradet. Hier wurde Thabeet wiederrum in die D-League geschickt. Traurig aber wahr: Der Mann aus Tansania wurde und wird älter, aber nicht interessanter. Auch die jetzige Saison scheint Thabeets Interessantheitsgrad nicht zu steigern. Gerade einmal 5 Spiele wurden von Thabeet absolviert, wobei die Statistiken nicht erwähnenswert sind. Er scheint durchgereicht zu werden. Die diesjährige Trade-Deadline wurde von den Raketen genutzt um besseres an Land zu ziehen. Thabeet wurde zusammen mit Leidensgenosse Jonny Flynn und einem Second-round Pick nach Portland getradet. Für den NBA-Greis Marcus Camby.

Die NBA ist ein anderes Pflaster, ein härteres, als das der NCAA. Spieler müssen sich beweisen, ihre Statistiken verbessern und vor allem mit der Härte klarkommen wenn man ein Bigman ist und im Land der Großen Rebounds und Blocks abstauben will. Gepunktet hat Thabeet nie groß. Die Rebound und Blockstatistiken sind bei ihm aufgrund seiner Größe entscheidend und wichtig. Jedoch genau in diesen Statistiken zeigt Thabeet keine Stärke, keine Härte, kein Wille hier gute Werte zu bringen. Er handelt zu zaghaft in der Zone, wo er eigentlich so präsent wie einst Yao Ming als Rakete sein sollte.

Nun ist die Hauptfrage: Warum? Hat der Mann keine Lust, oder ist er einfach nicht talentiert? „Kein Talent“ ist auszuschließen, in der NCAA zeigte er ja ansatzweise was er drauf hat. Daran erinnert fühlten sich wohl auch die ungemein talentierten Thunder, welche Thabeet nun als Free Agent ins Boot holten. Möglicherweise seine letzte Chance!


Text: Hanno Landwehr

Quellen: